Uwe Reinsch    Holzbau   Zimmerei   Oldenburg  
Rastede

 

Unter einer Sanierung versteht man im Bauwesen die baulich, technische Wiederherstellung oder Modernisierung eines Bauwerks oder mehrerer Bauwerke (bis hin zu ganzen Stadtvierteln), um Schäden zu beseitigen und/oder den Wohnsstandard zu erhöhen. Häufig ist die energetische Sanierung Hauptziel einer Sanierung, manchmal eine Nutzungsanpassung (zum Beispiel barrierefreies Wohnen).

Eine Sanierung geht über die Instandhaltung und Instandsetzung hinaus. Sie kann erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz umfassen (zum Beispiel den Abriss und neubau ganzer Fassaden) und impliziert meist eine Modernisierung.

Die Sanierung der Grundsubstanz von Baudenkmälern kommt dann in Frage, wenn die Erhaltung des Gebäudes gefährdet ist. Nach Maßgabe des Denkmalschutzes muss die Denkmalbehörde bei diesen weitreichenden Eingriffen in das Baudenkmal die Grenze zwischen der substanzerhaltenden Sanierung und der reversiblen Restaurierung festlegen.

Ziel einer Sanierung ist die Wiederherstellung des standsicheren und zweckbestimmt nutzbaren Zustands.

Um vorhandene Mängel festzustellen, wird häufig eine Voruntersuchung ("Gutachten") gemacht, das Schadensursachen benennt, das Schadensbild beschreibt sowie Sanierungsmaßnahmen vorschlägt.

Gebäudesanierung [BearbeitenSanierung einer Wohnanlage

Unter Gebäudesanierung oder Bauwerkssanierung versteht man die durchgreifende Reparatur oder Erneuerung von Bauteilen, Gebäudeabschnitten oder des gesamten Bauwerks. Bei Gebäuden, die vor dem zweiten Weltkrieg errichtet wurden, spricht man auch von Altbausanierung.

Typische Sanierungsmaßnahmen am Gebäude sind:

  • Dachsanierung bei Steil- und Flachdächern bezeichnet in der Regel nicht nur den Austausch der Dachhaut und gegebenenfalls des kompletten Dachstuhls, sondern auch den Einbau einer Wärmedämmung in die Schrägdachflächen, sowie den Ausbau des Dachraumes zur Dachgeschosswohnung.
  • Deckenbalkensanierung bezeichnet in der Regel die Erneuerung der Holzbalkendecke durch Verstärkung oder Austausch von Bauteilen.
  • Energetische Sanierung oder thermische Sanierung bezeichnet in der Regel die Ertüchtigung der thermischen Hülle eines Gebäudes zur Minimierung des Heizenergiebedarfs gemäß Kriterien derEnergiestandards.
  • Fassadensanierung, Wiederinstandsetzen der Fassade, umfasst heute oft auch deren energetische Sanierung
  • Kellerhalssanierung bezeichnet in der Regel die Erneuerung der vertikalen Bauwerksabdichtung unterhalb der Geländeoberkante und/oder die horizontale Abdichtung gegen drückendes oder nichtdrückendes(Stau-) Wasser.
  • Fenstersanierung bezeichnet den Austausch alter Fenster gegen neue Fenster, ebenfalls unter dem Aspekt thermischer Sanierung (in Ausnahmefällen meint es eine tischlermäßige Überarbeitung eines Fensters und/oder das Ausstatten eines Fensters mit besser isolierten Glasscheiben)
  • Mauerwerkssanierung bezeichnet in der Regel die Ertüchtigung (Verstärkung) oder den Austausch schadhafter oder in ihrer Tragfähigkeit beeinträchtigter Mauerwerksteile oder von Sichtmauerwerksflächen. (beim Befall durch Hausschwamm)
  • Betonsanierung bezeichnet in der Regel die Instandsetzung schadhafter oder in ihrer Tragfähigkeit eingeschränkter Betonbauteile oder von Sichtbetonflächen.
  • Asbestsanierung bezeichnet in der Regel die Entfernung von gefährlichen Asbest-Baustoffen oder dessen Austausch gegen unbedenklichere Baustoffe mit ähnlichen Brandschutztechnischen Eigenschaften.

Spezielle Sanierungsformen [Bearbeiten]

  • Kernsanierung - Wiederherstellung der Bausubstanz
  • Rekonstruktion - Neuerliches Herstellen
  • Translozierung - Versetzung, also Abbau und originalgetreuer Aufbau an anderem Ort

Stadtsanierung und Stadterneuerung [Bearbeiten]

Stadtsanierung und Stadterneuerung gehen über die Sanierung einzelner Gebäude hinaus und haben die Beseitigung städtebaulicher Mängel und nicht selten sozialer Missstände in Stadtbereichen zum Ziel, die dann zu Sanierungsgebieten erklärt werden. Demzufolge bedeutet der Begriff Altstadtsanierung oder Quartiersanierung die Durchführung umfassender planungs- und bauordnungsrechtlicher Maßnahmen, um die Qualität eines Stadtbereichs zu verbessern. Grundlage für diese Sanierungsform ist dasSanierungsrecht im Baugesetzbuch. Siehe auch Stadtplanung.

Sanierungsfolgen [Bearbeiten]

Die Sanierung solcher Viertel geht deshalb oft mit der sozialen Verdrängung ganzer Bevölkerungsschichten einher. Geschieht dies in großem Maßstab und ohne Ausgleich besteht die Gefahr der Slumbildung oder Ghettoisierung in Stadtrandquartieren mit geringeren baulichen Standards.

Da der Standard der sanierten Quartiere durch die Maßnahmen erheblich steigt (Sanierungsziel), steigen auch die Kaltmieten (dagegen sinken durch energetische Sanierung die Heizkosten). Höhere Warmmieten können einen gehobenen sozialen Statusder Bewohnerstruktur zur Folge haben und zu Vorzeige- oder Edelquartieren führen. Weiteres dazu in: Gentrifizierung.

Sanierungsgebiet [Bearbeiten]

Ein Sanierungsgebiet kann gemäß Baugesetzbuch als Städtebauliche Sanierung durch die Gemeinde förmlich festgesetzt werden, wenn die im Baugesetzbuch beschriebenen Mängel eines Quartiers festgestellt wurden.

Als erstes Sanierungsgebiet Deutschlands wird allgemein die in den dreißiger Jahren durch den Berliner Bürgermeister Ernst Reuter initiierte Sanierung des Scheunenviertels durch großflächigen Abriss und Neubau des um den Rosa-Luxemburg-Platzentstandene neue Stadtquartier genannt.

Als größtes Sanierungsgebiet Deutschlands wird meist das Berliner Altbaugebiet Brunnenstraße bezeichnet. Der Bau der Berliner Mauer (1961) durch die DDR schnitt es vom übrigen Westberlin ab; der Berliner Bürgermeister Willy Brandt erklärte es zu einem Sanierungsgebiet.

Beide Gebiete waren so genannte Kahlschlagsanierungen: man riss ganze Straßenzüge oder das ganze Stadtviertel ab und baute alles - meist einschließlich Infrastruktur - Straßen, Wasser, Abwasser - neu. Ein Ziel war oft die Autogerechte Stadt. Gegen Kahlschlagsanierungen gab es oft massive Bürgerproteste; unter anderem gab es sie ab etwa 1970 kaum noch.

Vielmehr wurde die behutsame Stadterneuerung in Berlin durch Hardt-Waltherr Hämer anlässlich der Internationale Bauausstellung 1979 - 1987 in Berlin ins Leben gerufen. Hierbei ließ man zumindest die Vorderhäuser der Berliner Blockrandbebauungstehen und saniert sie. Hinterhäuser durften nur im Falle unzumutbarer Wohnverhältnisse im Hinblick auf Licht, Luft und Sonne abgerissen werden. [1]


 

Siehe auch [Bearbeiten]

  • Konservierung
  • Lärmsanierung ist ein in der Schweiz gebräuchlicher Begriff für Schallschutzmaßnahmen zur Lärmbekämpfung



 

Der Begriff Altbausanierung beschreibt die Sanierung eines Altbaus. Neben der Gebäudetechnik kann das sowohl die Statik der Bauteile, als auch die Grundrissdisposition und die äußere Hülle betreffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Baugeschehen beispielsweise in Deutschland überwiegend von Neu- und Wiederaufbauten geprägt. Alte Bausubstanz wurde – soweit noch intakt – vielerorts abgebrochen oder ohne Rücksicht auf die Geschichte „modernisiert“. Die Bedeutung der Altbausanierung hat erst seit den 1970er Jahren stetig zugenommen und macht heute mehr als die Hälfte des gesamten Bauvolumensaus (so genanntes Bauen im Bestand). Grund dafür ist sowohl die nach dem Krieg errichtete Bausubstanz als auch historisch gewachsene Bauten, die allmählich erneuert und den modernen Anforderungen hinsichtlich der Haustechnik angepasst werden muss. Neben den höheren Anforderungen in Sachen Feuchte- und Wärmeschutz hat sich der Wohnflächenverbrauch bzw. die Nutzung von Wohnfläche verändert. Diese Entwicklung trifft besonders auf Deutschland zu, da hier die Schäden an der Bausubstanz durch den Zweiten Weltkrieg besonders hoch waren. In anderen Ländern Europas ist zwar mehr alte Bausubstanz zu finden, dennoch sind auch dort Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.

Neben der rein ökonomischen Betrachtungsweise kann die Altbausanierung ökologisch sinnvoll sein, da Ressourcen geschont und bereits vorhandene Bauelemente genutzt werden.


 

Altbausanierung betrifft allgemein den Gebäudebestand, also auch solchen, der aus denkmalpflegerischer Sicht nicht schützenswert ist. Die Begriffe Konservierung und Restaurierung sind dem Denkmalschutz zuzuordnen. Eine Altbausanierung bedingt aufgrund umfangreicher Baumaßnahmen an und in allen Gebäudeteilen in der Regel den (vorübergehenden) Auszug der Nutzer. Ein wichtiges Kriterium zur Frage der Wirtschaftlichkeit einer Altbausanierung stellt der Bestandsschutz – auch baurechtlich heute unzulässiger Bauweisen – dar.


 

Wegen der umfassenden Zielsetzung erstrecken sich die Arbeiten meistens auf viele verschiedene Gewerke wie Fassadenbau (besonders Wärmedämmung), Putzerarbeiten, Mauerwerks- und Betoninstandsetzung, Trockenlegung, Zimmererarbeiten,DachdeckerarbeitenKlempnerarbeitenInstallateurarbeitenFliesenlegerarbeitenElektroinstallationsarbeitenFenstersanierungFensterbauInnenausbauMalerarbeiten.

Aufgrund der vielfältigen und umfangreichen Maßnahmen sind die Arbeiten entsprechend zu koordinieren und deren Ablauf zu überwachen.


 

Zunehmend richtet sich die Altbausanierung nach „ökologischen“ Gesichtspunkten, insbesondere der Reduzierung des Heizwärmebedarfes zur Senkung des CO 2- Ausstoßes und zum Sparen von Unterhaltskosten. Die bei der Gebäudesanierung unter ökologischen Gesichtspunkten immer beliebter werdende Fassadendämmung stößt jedoch bei Altbauten dort an ihre Grenzen, wo die Maßnahmen einen „unangemessenen Aufwand“ darstellen oder die Fassaden, bzw. die Gebäude unter Denkmalschutzstehen; nach geltenden Denkmalschutzbestimmungen darf hier grundsätzlich keine Wärmedämmung auf der Fassade aufgebracht werden, sondern sie kann - wiederum unter Beachtung hierfür geltender Denkmalschutzbestimmungen - als Innendämmung erfolgen. Für Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, findet die Energieeinsparverordnung nach § 24 EnEV [1] keine Anwendung. [2] Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Gesamtenergiebilanz von Baustoffen (umweltschonend in Produktion und Verarbeitung am Bau, später trennbar, wiedernutzbar, recyclebar oder unbedenklich abbaubar). Gemäß § 25 EnEV [3] und § 5 Energieeinsparungsgesetz [4] (EnEG) sind in der Altbausanierung Befreiungen aufgrund des „unangemessenen Aufwandes“ und der Unwirtschaftlichkeit der Maßnahmen von der EnEV möglich. Dies bedeutet, dass die Kosten der Energie, die zur Einsparung von Energie aufgebracht werden müssen (z.B. Energieaufwendung für Produktion, Transport, Einbau, jedoch nicht spätere Demontage und Entsorgung oder Recycling von Dämmstoffen), „innerhalb der üblichen Nutzungsdauer...innerhalb angemessener Frist“ geringer sein müssen. Gleichzeitig rücken Aspekte der Nachhaltigkeit im Bauwesen zunehmend in den Vordergrund. Des Weiteren ist die Gesundheit der Bewohner durch die Verwendung unbedenklicher Baustoffe zu gewährleisten.

Bei der Auswahl der Haustechnik ist die Nutzung von regenerativen Energieträgern und örtlichen, möglichst regenerierbaren Materialvorkommen zu bevorzugen. Zudem sind dezentraler, umweltschonender Ver- und Entsorgungssysteme mit einzubeziehen. Dabei kann der Bauunterhaltungsaufwand durch wartungsarme, klimagerechte und energiegewinnende Baukonzeptionen gesenkt werden.

Die Beauftragung ortsnaher Betriebe und die Schaffung zukünftig flexibel nutzbarer Gebäude wirken sich ebenfalls positiv auf die Umweltbilanz aus.


 


 

Eine Restaurierung umfasst Maßnahmen zur Erhaltung des materiellen Bestandes von Kunstwerken oder Objekten der Kulturgeschichte. Die an einer Restaurierung zu beteiligenden Fachgebiete richten sich nach den restaurierenden Objekten und den verwendeten Materialien und Techniken wie Gemälde und TafelmalereiHolzWandmalereiMetallSteinTextilienMusikinstrumentePapierGlasKeramikFilm,Archäologischer FundRestaurierung historischer Automobile sowie einige andere Gebiete. 

 Restaurierung 

Nach der Definition des internationalen Museumsverbands ICOM beschreibt der Begriff "Restaurierung" alle Handlungen, die die Wahrnehmung, Wertschätzung und das Verständnis für das Objekt fördern. Diese Maßnahmen werden nur dann ausgeführt, wenn ein Objekt durch vergangene Veränderungen oder Zerstörung Teile seiner Bedeutung oder Funktion verloren hat. Es gelten dabei die Grundsätze des Respekts für das Original und seine Geschichte sowie der Reversibilität. Beispiele für eine Restaurierung sind etwa das Zusammensetzen einer zerbrochenen Skulptur, die Rückformung eines Korbs oder das Auffüllen von Fehlstellen an einem Glas.

Restaurierung unterscheidet sich damit von der Konservierung, die alle Maßnahmen umfasst, die den Zustand eines Objekts stabilisieren und das Eintreten künftiger Schäden verlangsamen sollen. Dabei kann es sich zum Beispiel um das Entsalzen einer Keramik oder die Entsäuerung von Papier handeln.

Die Richtlinien für Restaurierung und Konservierung sind festgeschrieben im international gültigen "Code of ethics".  [1]


Der Begriff Restaurierung ist im heutigen Sprachgebrauch nicht mit Restauration gleichzusetzen. Restauration bezeichnet in der Geschichtswissenschaft die Wiederherstellung politischer Zustände (siehe: Restauration (Geschichte)) und im allgemeinen Sprachgebrauch eher die Gastronomie.


 

In den Anfängen der Restaurierung verstand man die Wiederherstellung eines Bauwerkes oder eines Kunstwerkes in einen früheren, als ursprünglich betrachteten Zustand. Die Vorstellung dieses Zustands orientierte sich teilweise am materiellen Bestand, teilweise aber auch an einer dem Objekt zugeschriebenen Bedeutung, die in einer neuen Gestaltung vermittelt werden sollte (Neugestaltung des Speyrer Doms in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts). Diese bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein geltende Vorstellung der Restaurierung führte letztlich zu den Ausbauten etwa des Kölner Doms, oder des Ulmer Münsters, aber auch zahlreicher weniger prominenter Objekte. Im Rahmen dieser Auffassung wurden Bedeutung und ästhetische Bewertung eng verknüpft.

Der Begriff wurde in den 1830ern durch den „Vater der Restaurierung“ Eugène Viollet-le-Duc geprägt. Nach diesem war Restaurierung ein Vorgang der Herstellung eines ursprünglich gedachten, vollkommenen Zustands, der möglicherweise so nie existiert hatte („Restauration - Le mot et la chose sont modernes. Restaurer un édifice, ce n'est pas l'entretenir, le réparer ou le refaire, c'est le rétablir dans un état complet qui peut n'avoir jamais existé à un moment donné.“ Zitat aus: Viollet-le-Duc, Eugène Emmanuel: Dictionnaire raisonné de l’architecture française du XIe au XVIe siècle; 1886). Für Viollet-le-Duc war das Ziel der Restaurierung also die (Wieder-)Herstellung der ursprünglich geplanten Aussage eines Monuments. Dieser Auffassung widersprach in den 1840ern der englische Gelehrte John Ruskin. Er sah in der Restaurierung die Verfälschung des vorgefundenen Zustands und damit des Denkmalwerts eines Gebäudes („Do not let us talk of restoration, the thing is a lie from beginning to end. That spirit which is given only by the hand and eye of the workman, can never be recalled“ Zitat aus: Ruskin, John: The Seven Lamps of Architecture; 1849). Nach Ruskin sollte die Konservierung eine Restaurierung unnötig machen. Seine Auffassung prägte Kunsthistoriker und Denkmalpfleger: "Konservieren, nicht Restaurieren" war um 1900 die Forderung Georg Dehios, der maßgeblich am Aufbau der Denkmalpflege in Deutschland beteiligt war.

Dennoch setzte sich in der Denkmalpflege die Auffassung vom Werk als historische Quelle nur langsam durch. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Restaurierung nach und nach auch als Konservierung verstanden. Ziel der Konservierung ist es, den angetroffenen Bestand zu sichern und gegebenenfalls zu erschließen. Die Bedeutung des Objekts wird nicht mehr nur an der ästhetischen Komponente gemessen, vielmehr wird versucht, das Objekt für möglichst viele Ansätze der Bedeutungszuweisung offen zu halten. Diese Auffassung wurde 1964 in der Charta von Venedig niedergelegt, die die Zielvorstellungen der modernen Restaurierung formuliert und verbindlich festsetzt.


 

Objekt der Restaurierung ist die Originalsubstanz des Objekts. Der Begriff ist in der Praxis relativ eindeutig, in der Theorie aber nicht leicht einzugrenzen. Als Original sieht die moderne Denkmalpflege weder einen – zwangsläufig hypothetischen – Zustand zu einem gewissen Zeitpunkt, sei es der Moment, in dem der Künstler gesagt haben mag, das Werk „sei vollendet“, sei es der Moment, in dem es sich der kollektiven Erinnerung als „typisch“ eingeprägt hat, noch die „wertvollen“ Anteile am Objekt – wenn auch unstrittig in der Ausführung der Restaurierung solche Wertungen getroffen werden. Streng genommen bezeichnet der Ausdruck schlicht das Werk, wie es sich dem Restaurator im Moment der Restaurierungsbeginns präsentiert. Zu einem der zentralen Arbeitsschritte wird hier die Objektforschung, also die Rekonstruktion der Werkgeschichte. Aus ihr lässt sich im Einzelfall entscheiden, welche Teile unbedingt erhaltenswert sind, welche geopfert werden können und sollen, um den Zugang zu früheren Fassungen zu ermöglichen, was – zu entfernende – Verschmutzung, und was – als Zeitzeugnis erhaltenswerte – Patina des Objekts ist und welche Teile als entstellende Fremdkörper oder irreguläre Veränderung nicht übernommen werden sollen.

Die moderne Restaurierung verfolgt das Ziel, durch möglichst auf ein Minimum beschränkte Eingriffe am Objekt die Erhaltungsbedingungen zu verbessern. Dabei ist heute die Reversibilität des Eingriffs eine der Hauptanforderungen: Diese strenge Forderung zieht die Lehren aus den Restaurierungen des 19. und 20. Jahrhunderts, die durchwegs schwerwiegende negative Folgen gezeigt haben: So machen bei einer heutigen Restaurierung im allgemeinen das Rückgängigmachen von früheren Eingriffen in das Werk den Großteil des Arbeitsaufwandes aus, und auch ein Gutteil der Verluste ist nicht auf „natürliche“ Alterung, sondern seinerzeit wohlgemeinte Eingriffe zurückzuführen. Die enormen Entwicklungen der Werkstoffe und Methoden der Restaurierung haben gezeigt, dass jede – auch heutige – Restaurierung, die Substanzen in das Werk einbringt oder es mechanisch berührt, schon nach einigen Jahrzehnten nurmehr als „zeitgenössischer Kompromiss“ angesehen werden kann. Dort, wo Reversibilität nicht möglich ist, ist präzise Dokumentation gefordert, um wenigstens über Bericht die Werkgeschichte geschlossen zu halten.

Idealerweise bliebe ein zu restaurierendes Objekt vollkommen unberührt, wenn nicht das Aufhalten der alterungsbedingten Verfallserscheinungen, und damit die Erhaltung des Werks an sich, das Hauptziel jeder Konservierung wäre. Weil aber andererseits die Alterungserscheinungen aller Art im heutigen Verständnis, nach der alle Veränderungen und Verluste als Werkgeschichte Teil des Objekts geworden sind, kann eine Restaurierung auch nicht das „Einfrieren“ eines Status quo sein. Zentrales Anliegen ist daher, das Werk in seiner Alterung – in welcher Weise auch immer – unter Kontrolle zu halten und sei es nur, um nachfolgenden Generationen zu ermöglichen, technisch heute nicht Leistbares am Objekt umzusetzen und ihnen dabei so wenig Probleme wie möglich zu bereiten, aber so viel wie möglich zu erhalten.

Endergebnis einer Restaurierung sollte nach heutigem Verständnis – neben der im besten Gewissen der theoretischen Forderungen und nach Stand der Technik ausgeführten Konservierung – eine möglichst umfassendeLesbarkeit des Werks sein. Dieser Begriff umfasst wohl die Aussagen, die durch ein Objekt intendiert waren, seien sie der kontemporäre primäre Anlass, oder sekundäre Nach- und Umdeutungen. Vielmehr aber bedeutet Lesbarkeit, den heute vorhandenen Zustand aus der Werkgeschichte heraus zu verstehen. Des Weiteren hält er den Restaurator an, keinerlei interpretative Maßnahmen zu treffen, sondern jedem Betrachter zu ermöglichen, das Werk aus sich heraus zu begreifen – seien es materialwissenschaftliche Studien, die nicht verfälscht werden dürfen, seien es kunstgeschichtliche Schlüsse, oder auch ästhetische Betrachtung. Dabei bezieht der Restaurator insbesondere seine eigene Arbeit mit ein: Alle Schritte, die er setzt, sollen möglichst von der Nachwelt aus dem Werk selbst ablesbar sein, um späteren Fehlinterpretationen vorzubeugen. Klassisches Beispiel dafür ist die Neutralretusche oder das Tratteggio, eine Retuschiermethode, die im Istituto superiore per la conservazione ed il restauro in Rom von Cesare Brandi entwickelt wurde, um Fehlstellen im Original soweit zurückzunehmen, dass sie den Blick des Betrachters nicht vom eigentlichen Bildinhalt ablenken, aber dem näher Hinschauenden sofort offenkundig werden. Daraus leiten sich heute auch die Präsentationsmethoden ab, die „schmerzliche“ Verluste am Original keinesfalls kaschieren, sondern nüchtern dokumentieren, aber doch ein geschlossenes Zustandsbild zeigen, in dem die Originalsubstanz selbst der vorrangige Eindruck ist.

Begriffe wie Originaltreue oder Werkverständnis spielen heute keine Rolle mehr – sie implizieren Spekulationen, die nicht Aufgabe eines Restaurators sein können. Allenfalls spricht man von Werktreue und meint damit einen gewissen naiven Zugang zum Objekt, der Werk, Schöpfer des Werks und spätere Beiträge aus ihrer Zeit heraus respektiert und verbietet, „Verbesserungen“ vorzunehmen, soferne sie nicht den Primärzielen der Konservierung und Lesbarkeit dienen. Auch ein Fokus aufOriginalmaterialien oder Originalmethoden, wie er in den Jahren nach der Charta von Venedig als Gegenpol zu früheren Abwegen des Restaurierens verfolgt wurde, ist heute nicht mehr aktuell. Dort, wo deren Unzulänglichkeiten bekannt sind, wie auch, wo der Ruch einer wie auch immer gearteten Fälschung droht, ist kontrastierendes Material und modernste Methodik Mittel der Wahl.


 

Während die akademische und museale Restaurierung sehr nah an der Charta von Venedig arbeiten kann, ist der gewerbliche Restaurator dem Spannungsfeld dieser Leitbilder, und dem Wunsch des Auftraggebers nach einem intakten Werk ausgesetzt – ein Gutteil aller Restaurierungen wird privat finanziert, und selbst bei denkmalgeschützten Objekten finanziert der Eigentümer je nach öffentlichem Interesse um die 30–60 % der Restaurierung.

Leider wird nach wie vor populär nicht zwischen Restaurierung und Rekonstruktion unterschieden, und viel zu selten auch zur Renovierung und Sanierung abgegrenzt. Das Leitbild der Öffentlichkeit – ob Gemälde oder Gebäude – wird noch heute im Satz „erstrahlt in neuem Glanze“ formuliert, ein Konzept, das nach dem Paradigma der Werkgeschichte nicht haltbar, und selten durchführbar ist. Die Restaurierung beschränkt sich auf das Vorhandene, sie ‚stellt‘ nicht ‚wieder her‘ (lat. re-construare), was verloren ist, noch ‚erneuert‘ (lat. re-novare) sie grundlegende Bestandteile, und sie versucht auch nicht, die ‚Wunden‘ der Zeit ‚zu heilen‘ (lat. sanare).

Außerdem ist – neben den Objekten, die sowieso nurmehr einer musealen Verwendung als historisches Dokument unterliegen – zwischen primär dekorativen Objekten (Bilder, Skulpturen, Wandmalerei und ähnliches) und funktionellen Objekten (Möbel, Fahrzeuge) zu unterscheiden: Soll der Gebrauchswert erhalten werden, sind rekonstruktive Maßnahmen meist auch in einer akademisch strengen Restaurierung unumgänglich. Typisch sind diese Spannungsfelder etwa in der Restaurierung von Kirchengebäuden, die einerseits enormen finanziellen Aufwand erfordern, und daher einem großen „Erfolgs“druck ausgesetzt sind, und andererseits seitens der Gemeinde ein Nutzobjekt, seitens der Kunstgeschichte aber museales Objekt sind. Noch extremer stellt sich das bei Nutzgebäuden dar: Hier beschränkt sich echte Restaurierung oft nur auf einzelne Baugruppen, die in Neuerstellungen eingebunden werden. Auch die Restaurierung historischer Datenträger (von Tontafeln über Manuskripte der Literatur und Musik bis zu Filmmaterial, im weiteren Sinne aber auch alle bildnerischen Werke) kommt um die Berücksichtigung der vorrangigen Lesbarkeit des Originals, nicht des restaurierten Objekts, nicht herum.

Ein weiteres Spannungsfeld ergibt sich aus optimaler Konservierung, und Zugänglichmachung des Objekts – und sei es nur aus dem pragmatischen Sachzwang, die Erhaltung alter wertvoller Objekte zu finanzieren. Zwar wären die meisten Objekte unter Verschluss kontrollierter Umgebungsbedingungen besser konservierbar, andererseits sollen die Stücke in weiten Bereichen auch ihrem ursprünglichen Verwendungszweck (etwa bei Bildern, betrachtet zu werden) gerecht werden können. Ideal lässt sich die Forderung nach Unberührtheit etwa in der modernen Archäologie umsetzten, wo Bodendenkmale, sofern keine Bergung als Notgrabung oder zu Untersuchungszwecken erforderlich ist, nach einer genauen Dokumentation wieder so dem Erdboden übergeben werden können, wie sie sich über Jahrhunderte, oder Jahrtausende, erhalten haben. Das Problem der Raubgrabungen stellt das aber in Frage, und in vielen anderen Bereichen müssen auf jeden Fall Kompromisse vielfältigster Art zwischen Konservierung und Präsentation gefunden werden.


 

Siehe auch: Restaurator – zu Werkstatt und Ausbildung

Umfang einer Restaurierung 

Restaurierung setzt sich heute allgemein zusammen aus

  • Befundung der vorhandenen Substanz
  • Erarbeiten eines Konzepts über Vorgehensweise, Zielvorstellung und Methodik
  • Reinigung und gegebenenfalls Freilegung relevanter Fassungen
  • der Sicherung (Konservierung im eigentlichen Sinne)
  • der Präsentation der Substanz im Kontext der Fehlstellen und der sonstigen Umgebung eines Werkes
  • sowie der umfassenden Dokumentation des Restaurierungsprozesses

Neben der Durchführung von Restaurierungen gibt es die Restaurierungsberatung. Hier wird das Konzept für Restaurierungen entworfen, ähnlich der Arbeit eines Architekten.


 

                                                        Uwe Reinsch   

                                                Holzbau - Zimmerei

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